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  • Porträt: Uta Busse.

Erfolgsgeschichten made in Bayern

Nach gut zweieinhalb Jahren als Asylsozialberaterin bei der Diakonie Rosenheim kann Uta Busse auf eine ganze Reihe Erfolgsgeschichten von Flüchtlingen zurückblicken.

Uta Busse hat echte Erfolgsgeschichten erlebt: der allein reisende 17-jährige Junge aus Afghanistan zum Beispiel, der als Analphabet nach Bayern kam und innerhalb eines halben Jahres Lesen und Schreiben sowie die deutsche Sprache gelernt hat. Junge Flüchtlinge, die eine Ausbildung als Industriemechaniker, Metalltechniker oder Lagerist begonnen haben. Das Mädchen aus Afghanistan, das im Alter von neun Jahren beide Eltern verloren und sich mit Anfang 20 als eine von ganz wenigen Frauen alleine auf die Flucht begeben hat. In ein paar Monaten macht die mutige Frau ihren Abschluss zur Krankenpflegehelferin und beendet ihren Deutschkurs mit einer Prüfung. Oder der Student aus Eritrea, der voraussichtlich bald an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität weiterstudieren wird.

Anerkennung von Qualifikationen

So gut läuft es freilich nicht bei allen Flüchtlingen. „Obwohl viele von ihnen eine Berufsausbildung haben“, sagt Busse. „Die meisten kommen jedoch ohne Zeugnisse nach Deutschland. Außerdem können die Abschlüsse bei uns häufig nicht anerkannt werden.“ Das Bildungs- und Ausbildungsniveau in Deutschland ist tatsächlich deutlich höher als das vieler Herkunftsländer. „Inzwischen gibt es Programme zur Nachqualifizierung, die den Einstieg in den Arbeitsmarkt erleichtern“, erklärt die Diplom-Sozialpädagogin.

Großer Bedarf an Fachkräften

Uta Busse hat nach längerer Pause als Hausfrau und Mutter wieder angefangen zu arbeiten. „2014 war Asylsozialberater noch ein ziemlich neues Berufsbild“, sagt sie. Nach dem enormen Zugang von Asylsuchenden war der Bedarf an Fachkräften groß. Zu Beginn des Fluchtgeschehens war für sie und ihre Kolleginnen und Kollegen viel Arbeit zu bewältigen. „Ich hatte zeitweise über 300 Klienten bei 30 Wochenstunden. Das war kaum zu schaffen.“ Jetzt habe sich die Zahl bei ungefähr 200 Asylbewerbern eingependelt, das sei einigermaßen zu handhaben. „Viele Flüchtlinge sind schon länger da, sie brauchen nicht mehr so intensive Unterstützung wie bei der Ankunft.“

Schöne menschliche Begegnungen

Zeit für Hausbesuche hat Uta Busse trotzdem zu wenig. „Das ist schade, denn daraus sind viele schöne menschliche Begegnungen entstanden. Man hat sich einfach besser kennengelernt“, bedauert sie. Der menschliche Umgang miteinander ist der Asylsozialberaterin wichtig. Zu vielen Flüchtlingen hat Uta Busse ein Vertrauensverhältnis aufgebaut, das es erleichtert, bei Schwierigkeiten auch mal Klartext zu reden. Denn die gibt es natürlich auch. „In den Unterkünften leben Menschen so vieler Nationalitäten unter einem Dach, da sind Konflikte nicht verwunderlich“, sagt Busse. Oft handelt es sich um alltägliche Dinge wie die Sauberkeit im Gemeinschaftsbad oder die Frage, wer wie viel Platz im Kühlschrank beansprucht.

Porträt: Uta Busse.
Uta Busse arbeitet als Asylsozialberaterin bei der Diakonie Rosenheim.
Uta Busse im Gespräch.
Uta Busse kann von vielen positiven Fällen gelungener Integration berichten.
„Flüchtlinge bringen auch viele schöne Sitten mit nach Deutschland. Zum Beispiel Respekt vor Älteren, Familienzusammenhalt und Gastfreundschaft.“

Gefragt: Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Durchhaltevermögen

Bei manchen Asylbewerbern seien Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit ein Thema. „Es kann schon mal passieren, dass ich einen Termin vereinbare und keiner kommt“, sagt Busse. „Diese klassischen deutschen Tugenden spielen in anderen Ländern keine so große Rolle. Pünktlichkeit gilt in anderen Teilen der Welt als unwichtig.“ Busse und ihre Kollegen vermitteln dann, wie wichtig diese Werte in Deutschland sind. Auch Geduld und Durchhaltevermögen gehören dazu. Beides brauchen die Flüchtlinge, bis sie richtig in Bayern angekommen sind und idealerweise einen Job und eine Wohnung gefunden haben. „Andererseits bringen die Flüchtlinge auch viele schöne Sitten mit nach Deutschland wie Respekt vor Älteren, Familienzusammenhalt und Gastfreundschaft.“

Gleichberechtigung: Eine Frage der inneren Haltung?

Neu für viele Asylbewerber ist hingegen das Thema Gleichberechtigung von Mann und Frau. „Ich selbst hatte noch nie Probleme, weil ich eine Frau bin“, sagt Busse. „Aber ich weiß, dass Flüchtlinge wie Einheimische oft unsicher sind, wie sie sich richtig verhalten sollen.“ Freundschaften zwischen Männern und Frauen gebe es in anderen Kulturen schlichtweg nicht. „Wenn ein Mensch anders aufgewachsen ist, wird er sich nicht von heute auf morgen umstellen.“ Aufklärung und Bildung sind wichtig, um Gleichberechtigung nicht nur zu akzeptieren, sondern die innere Haltung zu den Geschlechterrollen zu ändern. „Bildung ist der Schlüssel. Mit Bildung kann man alles erreichen“, ist Busse überzeugt. „Gelungene Integration, das ist für mich der Dreiklang aus Bildung, Sprache und deutsche Freunde finden.“ Das braucht seine Zeit.