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  • Nahaufnahme: Hände.

Der Preis der Freiheit

Aron aus Eritrea möchte nach seinem Deutsch- und Integrationskurs am liebsten als Schreiner arbeiten. Einmal im Monat telefoniert er mit seiner Frau und den beiden Kindern. Sie leben in einem Flüchtlingslager im Sudan.

Seit 14 Monaten lebt Aron (27, Name geändert) aus Eritrea im Landkreis Rosenheim. Die meisten männlichen Flüchtlinge verlassen Eritrea, um körperlichen Misshandlungen zu entkommen. Auch Aron war zehn Jahre lang Soldat. Hätte er seinen Dienst quittiert, wäre er sehr wahrscheinlich in ein Lager zur Zwangsarbeit geschickt worden.

3.700 US-Dollar kostete die Flucht

Aron hat sich für ein Leben in Freiheit entschieden. Fünf Monate war der 27-Jährige auf der Flucht über den Sudan und Libyen  bis nach Bayern. Es war ein weiter, gefährlicher und kostspieliger Weg. Allein der Sahara-Transfer habe 1.700 US-Dollar gekostet, erzählt er. Für die Fahrt über das Mittelmeer haben ihm Schleuser 2.000 US-Dollar abgeknöpft. „Das Boot war total überfüllt. Es ist Wasser hineingelaufen“, sagt Aron. Die Küstenwache hat sie gerettet.

„Die katholische Kirche im Ort ist schön. Sobald ich besser Deutsch kann, will ich mir sonntags den Gottesdienst anhören.“

Hilfe bei Behördengängen

Für die Flucht hat seine ganze Familie zusammengelegt. Aron hofft, schnell Arbeit zu finden, um die 3.700 Dollar zurückzahlen zu können. Am liebsten würde er als Schreiner arbeiten. Das war sein Beruf in Eritrea vor dem Militär. Bevor Aron arbeiten kann, muss er aber erst einmal Deutsch lernen. Seit vier Monaten besucht er einen Deutsch- und Integrationskurs. „Dort lerne ich auch etwas über deutsche Regeln und Gesetze“, erzählt er. Bei Gesprächen wechselt Aron inzwischen nur noch selten ins Englische. Außerdem übt er mit Susanne und Beate (Namen geändert), zwei ehrenamtlichen Helferinnen. Die beiden Frauen unterstützen ihn auch bei Behördengängen.

Frau und Kinder im Flüchtlingslager im Sudan

Die Menschen in Bayern findet Aron sehr hilfsbereit. Auch wenn er sich erst daran gewöhnen musste, dass sie oft ernste Gesichter machen und nicht jeder jeden auf der Straße grüßt. Trotzdem sei es wunderbar, in Bayern zu leben. Besonders angetan haben es ihm die Kirchen. „Die katholische Kirche im Ort ist schön. Sobald ich besser Deutsch kann, will ich mir sonntags den Gottesdienst anhören“, sagt der orthodoxe Christ. „Höflichkeit und Fleiß“, das sind besonders wichtige Werte in Bayern, glaubt Aron. Daran möchte er sich halten. Was für ihn das Beste an Bayern ist? „Die Menschen haben Arbeit und führen ein gutes Leben. Die Kinder dürfen zur Schule gehen und am Nachmittag auf den Spielplatz oder ins Schwimmbad.“ Das wünscht sich der Vater eines vierjährigen Sohns und einer einjährigen Tochter auch für seine Kinder. Gemeinsam mit der Mutter leben sie in einem Flüchtlingslager im Sudan und warten auf den Familiennachzug. Einmal im Monat telefonieren sie miteinander. Ob Aron sie sehr vermisst? „Ja. Immer.“